Ratgeber · Stand 2026 · ehrlicher Kosten-Check

24-Stunden-Pflege: Was sie wirklich kostet – und wer sie bezahlt

Eine Betreuungskraft im Haus ist für viele Familien die Rettung vor dem Heim. Hier sind die ehrlichen Zahlen: Kosten, Zuschüsse der Kasse und die Fallen bei der Anbieterwahl.

100 % kostenlos Quellen: §§ 36, 37, 39 SGB XI · § 35a EStG Stand: Juli 2026
Jüngere Hände halten stützend die Hand eines älteren Menschen – Betreuung im eigenen Zuhause
Inhalt dieses Artikels

Die ehrlichen Kosten

PostenMonatlich
Betreuungskraft (Entsendemodell, je nach Deutschkenntnissen & Erfahrung)2.500–4.000 €
Unterkunft & Verpflegung (eigenes Zimmer nötig)~200–300 €
ggf. ambulanter Pflegedienst für medizinische Leistungenüber Sachleistungen abgedeckt

Was die Kasse und der Staat dazugeben

  • Pflegegeld: 347–990 €/Monat (je Pflegegrad) – frei einsetzbar, also auch hierfür. Tabelle
  • Verhinderungspflege: bis 3.539 €/Jahr – z. B. für die Vertretung, wenn die Betreuungskraft Urlaub hat oder wechselt. Restbudget prüfen
  • Steuerbonus § 35a EStG: 20 % der Kosten, bis zu 4.000 €/Jahr direkt von der Steuerschuld abziehbar
  • Entlastungsbetrag: 131 €/Monat zusätzlich – für ergänzende Alltagshilfe. Details
Realistische Netto-Rechnung (Pflegegrad 4): 3.200 € Kosten − 800 € Pflegegeld − ~295 € Verhinderungspflege (3.539 €/12) − ~333 € Steuerbonus (4.000 €/12) ≈ 1.770 € echter Eigenanteil – oft weniger als der Eigenanteil im Heim.

Die 3 Modelle im Vergleich

ModellWie es läuftWorauf achten
Entsendung (Standard)Agentur vermittelt Kraft aus Osteuropa, angestellt beim ausländischen UnternehmenA1-Bescheinigung verlangen, Vertragsdetails prüfen, Wechselintervalle klären
Arbeitgeber-ModellFamilie stellt die Kraft selbst anrechtssicher, aber Lohnbuchhaltung & Arbeitsrecht liegen bei Ihnen
Selbstständige KraftDirektvertrag mit selbstständiger Betreuungskraft Risiko Scheinselbstständigkeit – im Zweifel teuer für die Familie

Seriösen Anbieter finden: die Checkliste

  1. Werden A1-Bescheinigung und Arbeitsvertrag offen vorgelegt?
  2. Gibt es einen deutschen Vertragspartner mit Impressum und erreichbarem Support?
  3. Sind Ersatz bei Ausfall und Wechsel der Kraft vertraglich geregelt?
  4. Werden Deutschkenntnisse ehrlich eingestuft (Preisunterschiede sind hier normal)?
  5. Keine Vorkasse über den ersten Monat hinaus, faire Kündigungsfristen (≤ 4 Wochen)?
Anbieter vergleichen lassen (kostenlos)
Die Preisspanne zwischen Vermittlungen ist enorm – für dieselbe Leistung. Ein unabhängiger Vergleich mehrerer geprüfter Anbieter kostet nichts und schützt vor den schwarzen Schafen.
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Alternativen zur 24-Stunden-Pflege

  • Kurzzeitpflege – zur Überbrückung oder als Test
  • Tagespflege – eigenes Budget bis 2.085 €/Monat, entlastet tagsüber
  • Kombination Pflegedienst + Alltagshilfe + Familie – oft günstiger bei PG 2–3

Häufige Fragen zur 24-Stunden-Pflege

Was kostet eine 24-Stunden-Pflege zu Hause?
Je nach Modell und Qualifikation meist 2.500 bis 4.000 € pro Monat (Betreuungskraft, die im Haushalt wohnt). Deutlich günstiger als ein Pflegeheim-Einzelzimmer in vielen Regionen – aber die Pflegekasse zahlt nur Zuschüsse, keinen Vollpreis.
Zahlt die Pflegekasse die 24-Stunden-Betreuung?
Teilweise: Das Pflegegeld (347–990 €/Monat je nach Pflegegrad) kann frei dafür eingesetzt werden, dazu die Verhinderungspflege (bis 3.539 €/Jahr) für Urlaubsvertretungen der Betreuungskraft. Zusätzlich sind bis zu 4.000 €/Jahr als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzbar (§ 35a EStG).
Ist „24-Stunden-Pflege" wirklich rund um die Uhr?
Nein – der Begriff ist irreführend. Die Betreuungskraft lebt im Haushalt und hilft tagsüber; Arbeitszeitrecht begrenzt die aktive Arbeitszeit. Für medizinische Pflege (Wunden, Spritzen) braucht es zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst.
Welche Modelle gibt es – und welches ist seriös?
Drei Modelle: Entsendung über eine Agentur (am häufigsten, A1-Bescheinigung prüfen!), Anstellung als Arbeitgeber (aufwendig, aber am rechtssichersten) und selbstständige Betreuungskräfte (Vorsicht: Scheinselbstständigkeits-Risiko). Seriöse Vermittler legen Verträge, Versicherungen und die A1-Bescheinigung offen.
Ab welchem Pflegegrad lohnt sich die 24-Stunden-Betreuung?
Typisch ab Pflegegrad 3–4, wenn Alleinlassen nicht mehr sicher ist, die Familie aber einen Heimumzug vermeiden will. Bei Pflegegrad 5 ist sie oft die einzige häusliche Alternative zum Heim.
Quellen
Zuletzt geprüft: Juli 2026