Was das Gesetz zum Stundenlohn sagt – und was nicht
§ 39 Abs. 1 S. 1 SGB XI verpflichtet die Pflegekasse, „die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege" zu übernehmen. Satz 3 desselben Absatzes sagt dann, woran sich die Höhe bemisst – und verweist dafür ausschließlich auf die Jahresobergrenzen der Absätze 2 und 3. Ein Stundensatz, eine Preisliste oder ein Angemessenheitsmaßstab je Stunde kommen im Text nicht vor.
Das ist kein Versehen, sondern der Unterschied zu einer anderen Leistung, mit der die Verhinderungspflege oft verwechselt wird: Beim Entlastungsbetrag für Nachbarschaftshilfe begrenzt § 45b Abs. 4 SGB XI die Vergütung ausdrücklich, und die Länder deckeln sie in ihren Verordnungen weiter – Bayern etwa auf „deutlich unter dem Mindestlohn". Für die Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI gibt es keine solche Regelung. Wer beide Töpfe nutzt, sollte diesen Unterschied kennen: Derselbe Stundensatz kann aus dem einen Topf erstattungsfähig sein und aus dem anderen nicht.
Die zwei echten Obergrenzen
| Wer vertritt? | Obergrenze im Kalenderjahr | Fundstelle |
|---|---|---|
| Nachbarin, Freund, Bekannte, Pflegedienst – nicht bis zum 2. Grad verwandt/verschwägert, nicht im Haushalt | 3.539 € (Gemeinsamer Jahresbetrag) | § 39 Abs. 2 i. V. m. § 42a |
| Nahe Angehörige, die erwerbsmäßig pflegt | 3.539 € | § 39 Abs. 3 S. 1 |
| Nahe Angehörige, nicht erwerbsmäßig | 2× monatliches Pflegegeld, plus Verdienstausfall und Fahrtkosten auf Nachweis – zusammen höchstens 3.539 € | § 39 Abs. 3 S. 2–4 |
Beide Grenzen sind Jahressummen. Ein Stundensatz von 30 € ist damit nicht unzulässig – er ist nur teuer: Das Budget ist dann nach gut hundert Stunden leer. Ausführlich zur Angehörigen-Grenze: Verhinderungspflege durch Angehörige.
Wie lange Ihr Budget bei welchem Stundensatz reicht
Der volle Jahresbetrag von 3.539 €, umgerechnet in Stunden. Die Sätze sind Rechenbeispiele, keine Empfehlungen:
| Stundensatz | Stunden aus 3.539 € | entspricht |
|---|---|---|
| 10 € | 353 Stunden | 6 Stunden pro Woche, das ganze Jahr |
| 15 € | 235 Stunden | 4 Stunden pro Woche, das ganze Jahr |
| 20 € | 176 Stunden | 3 Stunden pro Woche, das ganze Jahr |
| 25 € | 141 Stunden | 2 Stunden pro Woche, das ganze Jahr |
Und bei nahen Angehörigen, die nicht erwerbsmäßig pflegen
Hier greift der Deckel aus § 39 Abs. 3 S. 2 SGB XI, und er hängt am Pflegegrad. Die letzte Spalte rechnet ihn in Stunden um – beispielhaft bei 15 € je Stunde:
| Pflegegrad | Pflegegeld / Monat | Deckel (2×) | Stunden bei 15 € |
|---|---|---|---|
| Pflegegrad 2 | 347 € | 694 € | 46 Stunden |
| Pflegegrad 3 | 599 € | 1.198 € | 79 Stunden |
| Pflegegrad 4 | 800 € | 1.600 € | 106 Stunden |
| Pflegegrad 5 | 990 € | 1.980 € | 132 Stunden |
Was in der Praxis gezahlt wird – und warum jede Zahl dazu weich ist
Ratgeberseiten nennen Spannen von 5 bis 25 € je Stunde. Diese Zahlen stammen aus Beobachtung, nicht aus einer Rechtsgrundlage, und sie werden voneinander abgeschrieben. Belastbar sind nur zwei Orientierungspunkte:
- Nach unten: der gesetzliche Mindestlohn, seit dem 1. Januar 2026 13,90 € brutto je Zeitstunde (Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung). Er gilt nur in einem Arbeitsverhältnis und damit gerade nicht für die gelegentliche Vertretung durch eine Angehörige. Als Orientierung taugt er trotzdem: Wer deutlich darunter abrechnet, erklärt sich gegenüber der Kasse leichter, wer deutlich darüber liegt, ebenfalls – nur eben mit einem anderen Argument.
- Nach oben: Ihr eigenes Budget. Die Kasse erstattet, was Sie nachweisen, bis die Jahresgrenze erreicht ist. Der Stundensatz entscheidet nur, wie schnell das geht.
Ein ambulanter Pflegedienst ist ein anderer Fall: Der rechnet nach seiner Vergütungsvereinbarung mit den Kassen ab (§ 89 SGB XI), nicht nach einem frei vereinbarten Stundenlohn. Sein Satz liegt regelmäßig deutlich über dem einer Privatperson – dafür entfällt jede Diskussion über die Angemessenheit.
Wo der Stundenlohn auf dem Beleg steht
Die Kasse erstattet nachgewiesene Kosten. Nachgewiesen heißt: Aus dem Beleg muss hervorgehen, wofür gezahlt wurde. Am saubersten mit drei Angaben nebeneinander:
- Stundenzahl je Einsatz, mit Datum und Uhrzeit von–bis.
- Vereinbarter Stundensatz.
- Summe – und Verdienstausfall oder Fahrtkosten getrennt darunter.
Den fertigen Beleg mit allen Pflichtangaben erzeugt der Quittung-Generator; er fragt Stunden und Betrag ab und trägt beides ein. Wer vor Ort unterschreiben lässt, nimmt das leere Muster zum Ausdrucken. Springt eine Privatperson ein, entscheidet zusätzlich eine Zeile über mehrere tausend Euro – das Verhältnis zur pflegebedürftigen Person: Nachweis für Privatpersonen.
Schreibt Ihre Pflegekasse einen Stundensatz vor?
Nein – weder AOK noch TK, DAK, Barmer, IKK classic, KKH, hkk oder Knappschaft. Es gibt dafür keine Rechtsgrundlage; § 39 SGB XI begrenzt die Jahressumme und sonst nichts. Unterschiedlich sind nur die Formulare und wie genau dort nachgefragt wird. Fragt das Abrechnungsformular nach einem Stundensatz, ist das eine Abfrage, keine Vorgabe.
Welches Formular Ihre Kasse verlangt, steht im Kassen-Lotsen und auf den Kassenseiten, etwa AOK, TK, DAK, Barmer, IKK classic oder KKH.
Steuer: nicht der Stundensatz entscheidet, sondern die Jahressumme
§ 3 Nr. 36 EStG stellt die Einnahmen der Ersatzpflegeperson steuerfrei – bis zur Höhe des Pflegegeldes nach § 37 SGB XI, mindestens aber bis zur Höhe des Entlastungsbetrages, und nur, wenn Angehörige pflegen oder Personen, die damit eine sittliche Pflicht im Sinne des § 33 Abs. 2 EStG erfüllen. Ein hoher Stundensatz ist steuerlich unauffällig, solange die Jahressumme darunter bleibt; ein niedriger hilft nicht, wenn die Bedingung fehlt. Bei Nachbarn und Freunden ist genau diese Bedingung der wunde Punkt – ausführlich unter Verhinderungspflege und Steuern.
Wann aus dem Stundenlohn ein Arbeitsverhältnis wird
Eine gelegentliche Vertretung gegen Aufwandsentschädigung ist kein Job. Arbeitet die Ersatzpflegeperson dagegen regelmäßig, zu festen Zeiten und nach Ihren Weisungen, kann eine Beschäftigung entstehen – mit Anmeldung bei der Minijob-Zentrale, Sozialversicherung und Steuer, und dann gilt auch der Mindestlohn. Das entscheidet nicht die Pflegekasse und hängt am Einzelfall. Ein fester wöchentlicher Termin über Monate ist genau der Grenzfall, den man vorher klären lässt und nicht hinterher.
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Häufige Fragen zum Stundenlohn bei der Verhinderungspflege
Wie hoch ist der Stundenlohn bei der Verhinderungspflege?
Gibt es einen maximalen Stundenlohn bei der Verhinderungspflege?
Was ist ein angemessener Stundenlohn für eine Privatperson?
Wie viel darf ich meiner Schwester oder meinem Sohn pro Stunde zahlen?
Schreibt meine Pflegekasse einen Stundensatz vor – AOK, TK, Barmer, IKK classic, KKH?
Muss der Stundenlohn auf der Quittung stehen?
Ab welchem Stundenlohn wird die Zahlung steuerpflichtig?
Wird aus einem regelmäßigen Stundenlohn ein Minijob?
- Rechtsgrundlage: § 39 SGB XI · § 42a SGB XI · § 3 Nr. 36 EStG — alle Beträge nach der Pflegereform (PUEG) für 2026 geprüft
- § 39 SGB XI im Wortlaut (gesetze-im-internet.de)
- Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung – 13,90 € ab 1.1.2026 (gesetze-im-internet.de)
- Gemeinsames Rundschreiben des GKV-Spitzenverbandes zu den leistungsrechtlichen Vorschriften des SGB XI (Fassung 02.04.2026, PDF) — Acht-Stunden-Grenze auf S. 257
- Bundesministerium für Gesundheit – Pflegeleistungen
- Gesetzestext im Wortlaut (gesetze-im-internet.de)